Schulabsentismus
- 30. Juni
- 2 Min. Lesezeit

Wenn Jugendliche der Schule fernbleiben: Mehr als nur Schulschwänzen
Schulabsentismus gehört zu den Herausforderungen, die uns in der Stiftung Dreipunkt täglich begegnen. Immer häufiger erleben wir Jugendliche, die dem Unterricht fernbleiben, sich zurückziehen oder den Anschluss an die Schule verlieren. Hinter diesen Fehlzeiten steckt selten mangelnde Motivation oder Bequemlichkeit. Viel häufiger sind psychische Belastungen, Ängste, Überforderung oder persönliche Krisen die Ursachen.
Schulabsentismus: Wenn der Schulweg zur Hürde wird
Für viele Jugendliche beginnt Schulverweigerung schleichend. Einzelne Fehltage werden zu regelmässigen Absenzen, der Druck wächst und die Rückkehr in den Schulalltag fällt zunehmend schwerer. Betroffene Jugendliche geraten oft in einen Kreislauf aus Schuldgefühlen, Leistungsdruck und sozialem Rückzug.
Fachstellen und Schulen beobachten seit Jahren eine Zunahme psychischer Belastungen bei jungen Menschen. Angststörungen, Depressionen, Erschöpfung oder soziale Unsicherheiten können dazu führen, dass der Schulbesuch zur täglichen Herausforderung wird. Schulabsentismus ist deshalb häufig nicht das eigentliche Problem, sondern ein sichtbares Symptom einer tieferliegenden Belastung.
Psychische Gesundheit stärken statt Symptome bekämpfen
Als Kompetenzzentrum für Jugendliche und junge Erwachsene erleben wir immer wieder, wie wichtig ein frühzeitiges Hinschauen ist. Eltern, Lehrpersonen und Fachpersonen nehmen oft als Erste wahr, wenn sich junge Menschen verändern: Sie wirken erschöpft, ziehen sich zurück oder verlieren die Freude am Lernen.
Entscheidend ist, Absenzen nicht vorschnell als Unwillen oder Regelverstoss zu interpretieren. Jugendliche brauchen Verständnis, verlässliche Bezugspersonen und Unterstützung, um die Ursachen ihrer Belastung zu erkennen und zu bewältigen.
Die Frage nach dem Sinn
Neben psychischen Belastungen wird zunehmend auch eine andere Perspektive diskutiert: Erleben Jugendliche Schule heute noch als sinnvoll und relevant?
Die Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm argumentiert in einer Gastkolumne der Luzerner Zeitung (8. Juni 2026), dass Schulabsentismus nicht ausschliesslich psychologisch erklärt werden kann. Sie weist darauf hin, dass junge Menschen heute in einer Welt aufwachsen, in der Wissen jederzeit verfügbar ist und sich die Rolle der Schule im digitalen Zeitalter verändert.
Wo Sinn erlebt wird, entsteht Motivation. Fehlt dieser Sinn, können Rückzug, Gleichgültigkeit oder Schulabsenzen die Folge sein. Dabei geht es nicht darum, die Schule infrage zu stellen. Vielmehr zeigt die Diskussion, wie wichtig Beziehungen, Gemeinschaft und Orientierung für erfolgreiches Lernen sind – Aspekte, die keine Technologie ersetzen kann.
Weiterführende Quelle: Margrit Stamm, «Schulschwänzen ist auch eine Sinnkrise», Gastkolumne in der Luzerner Zeitung, 8. Juni 2026.
Was Jugendliche wirklich brauchen
Aus unserer täglichen Arbeit wissen wir: Jugendliche brauchen Menschen, die ihnen zuhören, sie ernst nehmen und gemeinsam mit ihnen Perspektiven entwickeln. Erfolgreiche Unterstützung gelingt dort, wo Schule, Familie und Fachpersonen zusammenarbeiten.
Schulabsentismus ist kein Randphänomen. Er ist ein Signal, das uns dazu auffordert, genauer hinzuschauen und jungen Menschen die Unterstützung zu bieten, die sie für ihren Weg in Ausbildung, Arbeit und ein selbstbestimmtes Leben benötigen.
Pilotprojekt «Begleitdienst ohne Hürden»
Mit unserem Pilotprojekt «Brücke zum Alltag – Begleitdienst ohne Hürden» setzen wir genau hier an. Das Angebot richtet sich an Jugendliche mit komplexen Mehrfachbelastungen, die von bestehenden Unterstützungsangeboten oft nicht erreicht werden. Durch eine individuelle, lebensweltorientierte Begleitung stärken wir ihre psychische Gesundheit, fördern die soziale Integration und helfen mit, Schulabsentismus vorzubeugen.

Für dieses Projekt ist die Stiftung Dreipunkt für den Raiffeisen Pilatus Award nominiert. Mit dem Preisgeld könnten wir das Angebot gezielt aufbauen und weiterentwickeln, um noch mehr Jugendliche wirksam auf ihrem Weg in Ausbildung, Arbeit und ein selbstbestimmtes Leben zu begleiten. Wenn Sie unsere Arbeit und dieses Pilotprojekt unterstützen möchten, freuen wir uns über Ihre Stimme. Abstimmungslink



