Erwachsene dürfen überfordert sein. Jugendliche oft nicht.
- 3. März
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Erwachsene sprechen offen über Stress und Burnout. Jugendliche mit gleichen Signalen gelten schnell als "schwierig“. Warum ist das so? Und was sagt das über unsere Erwartungen an junge Menschen aus?

Erwachsene erzählen offen über Stress, Arbeitsüberlastung oder Burnout. Sie gelten als Menschen in „ehrlicher Überforderung“. Bei Jugendlichen hingegen ist die Wahrnehmung im Alltag oft eine andere: Sie werden schnell als „schwierig“, „unmotiviert“ oder „normal rebellisch“ abgestempelt, wenn sie nicht funktionieren. Dabei zeigen Forschung und Studien, dass junge Menschen sehr wohl unter chronischem Stress und Burnout‑Symptomen leiden können – und zwar auf einem Level, das oft unterschätzt wird.
Ein Grund für diese Diskrepanz liegt in der gesellschaftlichen Wahrnehmung: Während bei Erwachsenen Stress zunehmend enttabuisiert wird, fehlt vielen Jugendlichen ein Sprachraum, um ihr Erleben auszudrücken. Studien finden, dass Jugendliche oft nicht gut artikulieren können, was sie belastet, und dass sie Stress gar nicht sofort als solchen erkennen. Besonders Jungs äussern ihren Stress nicht offen, sondern ziehen sich zurück oder zeigen Reaktionen, die von Aussenstehenden leicht fehlinterpretiert werden.
Chronischer Stress bei Jugendlichen: Wenn Belastung zum Dauerzustand wird
Doch die Fakten sprechen eine klare Sprache: In der Schweiz zeigt eine repräsentative Studie, dass ein signifikanter Teil der Jugendlichen gestresst ist und dass sich der Beratungsbedarf bei psychosozialen Angeboten in den letzten Jahren stark erhöht hat. Burnout‑ähnliche Zustände bei Kindern und Jugendlichen entstehen, wenn Leistungsdruck in Schule, Freizeit, sozialen Medien und bei Zukunftserwartungen zusammentrifft. Häufige Symptome von chronischem Stress bei Jugendlichen reichen von Erschöpfung und Rückzug bis hin zu körperlichen Beschwerden und auch depressive Zustände oder Angstprobleme sind keine Seltenheit.
Warum reagieren Erwachsene anders auf Stress‑Signale von Jugendlichen? Teilweise, weil junge Menschen in einer Lebensphase sind, in der sie Identität und Selbstständigkeit entwickeln – eine Zeit, in der Herausforderungen erwartet werden. Doch genau diese Entwicklungsphase macht sie auch besonders verletzlich: Sie verfügen oft noch nicht über ausgeprägte Bewältigungsstrategien oder Resilienz, die Erwachsene über Jahre aufgebaut haben. Gleichzeitig entsteht Stress bei Jugendlichen nicht nur durch Schule oder Prüfungen: Soziale Medien, Zukunftsängste und das Bedürfnis nach Zugehörigkeit tragen zu einer andauernden inneren Belastung bei.
Verstehen statt bewerten: Was Jugendliche wirklich brauchen
Was können wir tun, um Jugendliche zu unterstützen – ohne sie zu überfordern?
1. Sprache und Anerkennung: Statt Symptome zu ignorieren oder zu pathologisieren, brauchen Jugendliche Räume, in denen sie über ihr Erleben sprechen können, ohne bewertet zu werden.
2. Stärkung von Bewältigungsstrategien: Offene Gespräche über Stress, Achtsamkeit und Selbstfürsorge können helfen, Belastungen früh zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.
3. Realistische Erwartungen: Erwachsene – Eltern, Lehrpersonen, Betreuer – sollten Erwartungen an Jugendliche realistisch gestalten und ihnen erlauben, Pausen und Erholung genauso wertzuschätzen wie Leistung.
4. Unterstützung im Alltag: Strukturen, die Jugendlichen helfen, ihren Alltag zu organisieren und Zeit für Erholung einzuplanen, sind zentral. Ebenso wichtig ist es, bei Bedarf professionelle Hilfe zu vermitteln.
Verantwortung ernst zu nehmen heisst auch, Jugendliche nicht ständig „anpassen“ oder „funktionieren“ zu lassen, sondern ihnen Werkzeuge und Beziehungen zu bieten, die sie befähigen, Stress selber zu erkennen und zu regulieren.
Raum für Entwicklung – mit verlässlicher Begleitung
Genau in diesem Spannungsfeld zwischen Herausforderung und Unterstützung setzt die Arbeit der Stiftung Dreipunkt an. Sie setzt sich dafür ein, junge Menschen nicht allein zu lassen, sondern ihnen einen Rahmen zu geben, in dem sie sich verstanden fühlen, ihre Stärken entdecken und realistische Wege finden, schwierige Situationen zu meistern und den Platz in der Berufswelt erfolgreich zu finden.



